Effizienzhaus-Plus-Gebäude mit nachhaltigem Mobilitätskonzept

5. Juni 2014, 16:43
Riedberg Effizienzhaus-Plus-Gebäude

Mitte 2015 soll das Effizienzhaus-Plus-Gebäude auf dem Frankfurter Riedberg mit 17 Mietwohnungen bezugsfertig sein. © Nassauische Heimstätte

Im Mai 2014 feierte die Nassauische Heimstätte mit einem Richtfest Halbzeit beim Bau des Effizienzhaus-Plus Gebäudes auf dem Frankfurter Riedberg. 17 Zwei- bis Fünf-Zimmer-Wohnungen mit 1.600 Quadratmetern Gesamtwohnfläche sollen bis zum Frühjahr 2015 fertig gestellt sein. Ziel ist, dass das Gebäude dann etwa 60 Prozent mehr Strom produziert als es selbst verbraucht. Der Überschuss steht Elektromobilen zur Verfügung, die in der Tiefgarage aufgeladen werden. Das hessische Umweltministerium unterstützt das Vorhaben mit rund 1,7 Millionen Euro.

Die Elektroautos und E-Bikes in der Tiefgarage des Gebäudes werden von den Mietern gemeinsam genutzt. Verhandlungen mit einem Betreiber für ein Car-Sharing-Modell stehen kurz vor dem Abschluss. Theoretisch reicht die zur Verfügung stehende Strommenge, damit zehn Elektromobile jeweils 12.800 Kilometer im Jahr fahren können. Zukünftige Mieter können also auf ein eigenes Fahrzeug verzichten und eines der Car-Sharing-Fahrzeuge oder die fußläufig erreichbare U-Bahn-Verbindung nutzen. „Wir probieren hier auf dem Riedberg neue Technologien und Konzepte aus, um sie später eventuell in großem Stil auf den Wohnungsneubau oder in der Modernisierung von Bestandsgebäuden anzuwenden,“ so der Leitende Geschäftsführer Dr. Thomas Hain.

Das Gebäude ist als „Nur-Stromhaus“ konzipiert. „Wir verbrennen keine Energieträger, um zum Beispiel Wärme zu produzieren und der Strom wird über die hauseigenen Photovoltaikmodule erzeugt. Damit versorgt sich das Gebäude nicht nur selbst mit Energie, sondern ist auch noch frei von jeglichen CO2-Emmissionen“, erläutert Professor Joachim Pös, Geschäftsführer der Entwicklungstochter NH ProjektStadt GmbH. Entworfen hat das Mehrfamilienhaus Prof.essr Manfred Hegger mit seinem Kasseler Büro HHS Planer + Architekten. Die Photovoltaikmodule sind in das um zehn Grad geneigte Dach und in die Südfassade des Gebäudes integriert und liefern einen Stromertrag von 86.500 Kilowattstunden pro Jahr (kWh/a). Für die Elektrogeräte in den Haushalten, Warmwasser, Heizung / Wärmepumpe und Lüftung entsteht ein Stromverbrauch von 54.000 kWh/a. Die Mieter werden bei der Anschaffung von modernen Haushaltsgeräten des Energieeffizienzlabels A++ unterstützt. Der rechnerische Überschuss von 32.500 kWh/a steht der Elektromobilität und anderen Anwendungen im Hause zur Verfügung. Um möglichst viel des selbst produzierten Solarstroms nutzen zu können, wird er auch in einer 60 kWh-Batterieanlage für ertragsarme Zeiten wie Früh- und Abendstunden gespeichert.

Ergänzt werden die Photovoltaikmodule auf dem Dach und an der Südfassade um einen unterirdischen Eisspeicher. Er liegt nur etwa einen Meter unter der Erde, teure und aufwändige geothermische Bohrungen entfallen damit. Die Wärmeversorgung funktioniert auch, wenn die Temperaturen mal längere Zeit unter den Gefrierpunkt fallen. Der Eisspeicher nutzt dann die hohen Energieerträge beim Phasenübergang von Wasser zu Eis für die Wärmeerzeugung. Die Gebäudeform sowie die Kompaktheit des Baukörpers und seine Ausrichtung sorgen dafür, dass Tageslicht, natürliche Lüftung und Sonneneinstrahlung optimal genutzt werden können. Die Gebäudehülle mit Boden, Wänden, Dach und Fenstern entspricht den Anforderungen des Passivhaus-Standards. Eine mechanische Lüftung mit Wärmerückgewinnung reduziert Wärmeverluste im Winter und erhöht den Wohnkomfort. Die natürliche Lüftung über die Fenster bleibt auch hier jederzeit möglich.

Die Baukosten liegen um etwa 25 Prozent über denen eines herkömmlich nach den Vorgaben der Energieeinsparverordnung errichteten Gebäudes. Neben der Wohnungsbauförderung durch das Land Hessen und die Stadt Frankfurt kommen weitere Fördermittel des Bundesbauministeriums für Modellhäuser hinzu, die den Effizienzhaus-Plus-Standard erfüllen, sowie aus dem KfW-Programm Energieeffizient Bauen. Voraussetzung für die Fördermittel ist eine zweijährige wissenschaftliche Begleitung des Projekts.

Quelle: Nassauische Heimstätte / bba

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