Konzernzentrale wird als Plus-Energie-Gebäude ausgelegt

2. April 2014, 14:03
Steico Firmenzentrale

Die Konzernzentrale wurde von Anfang an als Plus-Energie-Gebäude ausgelegt. © Steico

Dass sich auch bei Gewerbebauten der Plus-Energie-Standard wirtschaftlich erreichen lässt, zeigt Dämmstoff-Spezialist Steico mit dem Neubau seiner Konzernzentrale. Der Hersteller von Holzfaser-Dämmstoffen unterhält in Feldkirchen bei München seine Hauptverwaltung. Als im Jahr 2012 deutlich wurde, dass sich ein Wachstum mit den angemieteten Büroräumen nicht bewerkstelligen lässt, entschied man sich zum Bau eines eigenen Verwaltungsgebäudes. Ein geeigneter Bauplatz fand sich in unmittelbarer Nähe.

Bei der Konzeption des Gebäudes standen folgende Punkte im Mittelpunkt der Überlegungen:

  • Verwendung eigener Produkte: mit dem Bausystem, bestehend aus Stegträgern, Furnierschichtholz, Holzfaser-Dämmstoffen und einem eigenen WDVS wurde die gesamte tragende und dämmende Gebäudehülle erstellt. Auch beim Innenausbau wurde soweit wie möglich auf eigene Produkte gesetzt, beispielsweise bei den Bodenaufbauten. Ziel war, einen möglichst hohen Anteil an natürlichen Bauprodukten zu verwenden.
  • Bestmöglicher Energiestandard: Das Verwaltungsgebäude wurde von Anfang an als Plus-Energie-Gebäude ausgelegt.
  • Wirtschaftliche Konstruktion und innovative Holzbaulösungen: Die Planer des ausführenden Unternehmens müllerblaustein Holzbauwerke legten ihr Augenmerk auf Konstruktionslösungen, die sowohl bei der Errichtung wie auch im künftigen Unterhalt besonders wirtschaftlich sind.
  • Angenehmes Raum- und Arbeitsklima: Das Architekturbüro Rapp entwickelte ein Konzept, das neben viel sichtbarem Holz und lichtdurchfluteten Räumen auch großzügige Versammlungs- und Sozialräume beinhaltet. Ergänzt wird das Gebäude zusätzlich durch einen eigenen Schulungstrakt.

Gebäudedaten im Überblick
Mit einer Länge von 54,8 m und einer Breite von 17,8 m bietet der quadratische Dreigeschosser (11,6 m Höhe) eine Nettogrundfläche von 2.527 m2. Hierauf verteilen sich mehr als 70 Arbeitsplätze, Sozialräume, ein großer Seminarsaal für mehr als 100 Personen sowie Technikräume für praktische Holzbau-Schulungen.

Wandaufbau (von innen nach außen)

  • Gipsbauplatte 12,5 mm
  • Installationsebene 60 mm, ausgedämmt
  • Aussteifende Holzwerkstoffplatte (OSB) mit dampfbremsender Wirkung
  • Wandstiele 240 mm, ausgedämmt
  • Putzträgerplatte mit zugelassenem Putzsystem

Amplitudendämpfung 821 [1/TAV]
Zusammen mit der hochgedämmten Bodenplatte erreicht so die gesamte Hüllfläche Passivhausstandard. Die hohe Energieeffizienz ist aber nicht nur ein Resultat der rund 1.000 cbm Dämmstoffe sondern wird auch maßgeblich durch die Konstruktion beeinflusst. In den Wandelementen kamen Steicowall Stegträger zum Einsatz, die durch ihre besondere Geometrie wesentlich zur Vermeidung von Wärmebrücken beitragen. Der schmale Steg hemmt den Wärmedurchgang, so dass der U-Wert in der Grundkonstruktion um bis zu 15 Prozent verbessert werden kann.

Das Dach wurde als Flachdachkonstruktion ausgeführt. Da es zusätzliche Lasten wie eine Photovoltaik-Anlage, eine Bekiesung oder Schneelasten zu tragen hat, ist die Ausführung als Rippenelement aus Steicoultralam-Rippen mit einer Aufdachdämmung aus Steicozell vorgesehen. Rippenelemente bieten eine optimale Kombination aus erhöhter Tragfähigkeit und besonders wirtschaftlicher Fertigung. Neben den Rippen aus Steicoultralam R (gleichlaufend verklebte Furnierlagen) kann hierbei auch die Abdeckplatte aus Steicoultralam X (kreuzweise verklebte Furnierlagen) statisch angesetzt werden. So lassen sich besonders hohe Spannweiten mit einem effizienten Materialeinsatz realisieren.

Wirtschaftliche und schnelle Vorfertigung
Sämtliche Holzbau-Elementen wurden beim beauftragten Generalunternehmer vorgefertigt und „just-in-time“ auf die Baustelle transportiert. Die Vorfertigung selbst war dabei eine Kombination aus High-Tec-Planung und handwerklichem Geschick. Das Planungsteam erstellte detaillierte CAD-Pläne inkl. sämtlicher Detailausführungen und übermittelte diese ans Abbund-Zentrum. Hier wurden die jeweiligen Konstruktionsmaterialien – inkl. Stegträger und Furnierschichtholz – für die darauffolgende Elementmontage vorbereitet und von den Zimmerleuten in der Montagehalle zusammengesetzt. Ein schneller Arbeitsfortschritt wurde durch individuelle Codierung jedes Bauteils und praxisorientierte Montagehilfen ermöglicht. Vorgefräste Montagenuten erleichterten beispielsweise die Einpassung der Stegträger in die Elementrahmen.

Technikraum der Steico-Akademie

Der große Technikraum bietet Raum für praktische Überlegungen. © Steico

Da ein Großteil der Holzbauarbeiten in den Wintermonaten durchgeführt wurde, wurden die definierten Konditionen innerhalb der Vorfertigung so weit wie möglich ausgenutzt. Zum Beispiel wurden die Fassadenelemente bereits in der Fertigungshalle mit Grundputz belegt, um auch bei Schnee und Regen den Witterungsschutz für die Gebäudehülle zu gewährleisten. Nachdem die Grundsteinlegung im Oktober 2012 erfolgte, begann die Vorfertigung im November und noch im Dezember 2012 konnte mit dem Aufstellen der ersten Wandelemente begonnen werden. Hier zeigten sich klar die Stärken des modernen Holzbaus gegenüber der klassischen Massivbauweise. Während der Massivbau witterungsbedingt ruhte, wuchs der Holzbau Stockwerk um Stockwerk und schon im April 2013 war die Gebäudehülle vollendet, so dass Richtfest gefeiert werden konnte.

Kurze Bauzeit, höchste Energie-Effizienz
Nach Abschluss der Arbeiten an der Gebäudehülle begannen die Innenausbauten, die ebenfalls maßgeblich zur Gesamt-Energie-Effizienz beitrugen. Auf dem Flachdach wurde ein Photovoltaikanlage mit 82 kWh Peak installiert. Zwei Windturbinen sowie eine autarke Parkplatzbeleuchtung, die sowohl durch Photovoltaik als auch durch Windkraft gespeist wird runden das Energiekonzept ab. Insgesamt lassen sich damit rund 74.000 kWh Strom pro Jahr erzeugen, die teilweise selbst verbraucht und teilweise ins öffentliche Netz gespeist werden.

Auf der Verbrauchsseite stehen hingegen die Wärmeerzeugung, die über eine Grundwasser-Wärmepumpe abgedeckt wird. Mit 27,76 kWh/(m2a) nimmt sie den größten Posten der Energieverbraucher ein. Eine zentrale Lüftungsanlage minimiert wiederum Wärmeverluste uns sorgt für eine hygienische Luftwechselrate. In Kombination mit der Wärmepumpe trägt sie im Sommer auch zur Kühlung des Gebäudes bei, wofür rund 26,85 kWh/(m2a) veranschlagt sind. Einen wesentlich geringeren Anteil hat hingegen die Gebäudebeleuchtung mit 9,81 kWh/(m2a). Nicht nur energiesparende Leuchtmittel wie LEDs helfen hier den Verbrauch zu senken – eine automatische Lichtsteuerung über Bewegungssensoren schaltet ungenutzte Verbraucher automatisch ab und senkt die Verbrauchskosten weiter.

EnEV-Vorgaben um den Faktor 4 unterschritten
All diese Maßnahmen spiegeln sich in der Gesamt-Energie-Effizienz des Gebäudes wider. Nach EnEV-Berechnungen dürfte die Konzernzentrale einen maximalen Jahres-Primärenergiebedarf von 143,9 kWh/(m2a) aufweisen. Der tatsächliche Wert liegt aber um ein Vielfaches darunter. Mit einem Jahres-Primärenergiebedarf von 37,69 kWh/(m2a) konnten die EnEV-Vorgaben nahezu um den Faktor 4 unterschritten werden. Quelle: Steico / bba

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>