Plusenergiehaus in Berlin geht mit neuer Haustechnik an den Start

27. Mai 2014, 15:13
Effizienzhaus in Berlin

Beim Effizienzhaus in Berlin wird diskutiert, ob man die Wärmepumpe im Hochsommer auch zur Gebäudekühlung einsetzt. Das würde die Energiebilanz belasten. © BMVI

Mit verbesserter Haustechnik geht das Plusenergiehaus in Berlin in der Fasanenstraße erneut an den Start. Eine voraussichtlich um 15 Prozent effizientere regelbare Wärmepumpe, und ein Wärmespeicher mit 500 statt 50 Litern mit integriertem 39-Liter-Durchlauferhitzer statt 288-Liter-Warmwasserspeicher wurden eingebaut sowie die komplexe Regeltechnik überarbeitet. Die Lüftungsanlage, bisher im energiefressenden Dauerbetrieb, arbeitet jetzt gedrosselt oder taktet, wenn die Luft im Haus gut genug ist.

Und es wird diskutiert, ob man die Wärmepumpe im Hochsommer auch zur Gebäudekühlung einsetzt – was freilich die Energiebilanz belasten würde. Was dagegen gleich bleibt, sind die PV-Anlage, die Gebäudehülle und der Grundriss – bis auf eine selbstschließende Glastür, die zukünftig das Wohnzimmer gegen kühle Luftströmungen abschottet.

Nikolas Klostermann-Rohleder von der Zebau in Hamburg, der bis zum Beginn der Testphase die Öffentlichkeitsarbeit verantwortet, hat bereits eine Verbesserung durch die neue Wärmepumpe beobachtet: „Was man schon sagen kann, ist, dass jetzt mit einer recht geringen Vorlauftemperatur eine höhere Temperatur im Haus erreicht werden kann. Das sind Vorab-Ergebnisse, aber es ist noch überhaupt nicht klar, woran es liegt.“

Das Ministerium hatte die zunächst verwendete Weishaupt-Wärmepumpe ausbauen lassen und sich nach bundesweiter Ausschreibung für ein Split-System von Rotex entschieden. Jetzt steht das Außengerät im Freien. Die Vorlauftemperatur ist niedriger, weil Pufferspeicher, Trinkwassererwärmung und Hydraulik  in der Inneneinheit integriert sind. Die Geister scheiden sich allerdings an der Frage, warum die Vorlauftemperatur bisher überhaupt so hoch war. Der Aufbau des Fußbodens ist laut Rotex-Geschäftsführer Franz Grammling einer der Hauptgründe: „Um das Haus für die Wiederverwertung komplett zurückbauen zu können, wurde kein Fließestrich verwendet, sondern Trockenestrichplatten mit einer zusätzlichen Ausgleichsdeckschicht aus Kork, die die Fußbodenheizung relativ stark gegen den Raum wärmeisoliert. Mit einem optimierten Fußbodenaufbau könnte die Vorlauftemperatur um zirka 5 bis 10 Kelvin niedriger ausgelegt werden.“ Beim Planungsbüro Sobek, das Haus und Fußboden konzipiert hat, hält man das wiederum für stark übertrieben. Ein weiterer Faktor sind kühle Luftströmungen, die sich wegen des offenen Grundrisses bisher zwischen Obergeschoss, Treppenhaus und dem Wohnzimmer im Erdgeschoss ausbilden konnten. Obwohl die Glasscheiben hoch wärmegedämmt sind, kann diese Zirkulation dem Wohnbereich ständig fast 1 Kilowatt Wärme entziehen. Indem das Wohnzimmer nun eine Tür bekommt, kann die Strömung unterbunden werden – allerdings nur, solange die Bewohner sie nicht geöffnet halten.

Vor Jahrzehnten noch galt in der Gebäudetechnik die Regel: Wo der Wärmebedarf entsteht, da wird der Heizkörper platziert. Das kann man heute bei hoch wärmegedämmten Gebäuden oft ungestraft ignorieren, aber offenbar nicht in jedem Fall. Damit hat das Berliner Effizienzhaus Plus bereits eine wichtige Erkenntnis für die Planungspraxis geliefert. Weitere werden vermutlich folgen, so dass die Entscheidung, das Gebäude stehen zu lassen, nachvollziehbar ist. Allerdings wird es durch das Ändern gleich mehrerer Komponenten – vor allem der Wärmepumpe –, schwer werden herauszufinden, welcher Faktor die Effizienz um wieviel verbessert hat.

von Alexander Morhart

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